8 Weihnachts-Geschichten

Das neugierige Weihnachtsengerl

Wenn' zur Weihnachtszeit die ersten Schneeflocken auf die Erde fallen, schickt das Christkind viele tausend Engelchen mit. Sie haben den Auftrag, zu schauen und zu hordlen, ob die Kinder lieb und brav sind und am Abend, ohne viel zu maulen, in ihre Betten gehen.

An einem Abend im Advent saß ich in meinem großen Lehnstuhl und dachte nach, womit ich dem Christkind eine Freude machen könnte. Draußen war es schon dunkel, und ganz leise schwebten unzählige Schneeflocken auf die Bäume und Häuser nieder.

Plötzlich hörte ich ein Geräusch, als ob etwas in den Schnee gefallen wäre. Verwundert stand auf, öffnete die Tür zur Terrasse und sdnute was passiert sein könnte.

Da sah ich, direkt unter dem Kinderzimmerfenster ein ganz kleines Weihnachtsengerl im Schnee sitzen. Es hatte dicke Pausbacken, und sein Näschen war rot von der Kälte. Leise ging ich zu ihm hin. Aber es war so damit beschäftigt, den Schnee von den winzigen, goldenen Flügeln abzuschütteln, daß es mich gar nicht bemerkte. Erst als es versuchte aufzustehen, sah es mich.

„Pst", sagte es und legte den Finger auf den Mund. „Pst, du mußt ganz leise sein, damit uns niemand hört. Ich komme nämlich vom Christkind und muß nachschauen, ob die Kinder brav sind.

Ich nickte. „Aber da unten, auf dem Boden, kannst du es doch nicht sehen", flüsterte ich.

Da erwiderte es etwas verlegen: „Ich bin doch vom Fensterbrett heruntergefallen. Vor lauter Schauen und Horchen und ein bisserl Neugierigsein, bin ich plötzlich ausgerutscht und in den Schnee gepurzelt. Hoffentlich sind meine Flügel noch in Ordnung!"

Es versuchte aufzufliegen. Aber erst beim dritten Mal gelang es ihm. Darüber war es unwahrscheinlich froh. Ohne Flügel hätte es gar keinen Weihnachtsdienst mehr machen können. Das wäre sehr traurig gewesen, denn das ganze Jahr über hatte es sich so darauf gefreut.

Gemeinsam haben wir dann das Laternchen gesucht, und ich habe ihm geholfen, es wieder anzuzünden. Nachdem es noch einmal nachgeschaut hatte, ob die Kinder schlafen, flog es wie eine Feder davon, um dem Christkind Bericht zu erstatten.

„Danke, fürs Helfen!" hörte idi es voh oben rufen. „Behüt dich Gott, Engerl!" flüsterte ich ihm nach. Es dürfte mich ja niemand hören. Dann schlich ich mich ins Wohnzimmer zurück und schaute ihm vom Fenster aus nach, wie es immer höher in den Himmel flog und ich glaube, ein paarmal hat es mit seiner Laterne zurückgewinkt.