Berta Weber ("Tante Bertke")

  • geborene Pett am 01.11.1853 zu Alt Jugelow, Amtsbezirk Lupow, Stolp, Pommern - evangelisch
  • heiratet am 9. April 1875 in Jerskewitz - Standesamt Schwarz Damerkow [Heiraten 1875 Nr. 3] den Rieseler Johann Weber, ev., 26 Jahre; als Zeugen Gutsvorsteher Carl Maschke, 57 Jahre, wohnhaft zu Wottnogge, Maurer Julius Magull, 34 Jahre, wohnhaft zu Saviat
  • beide wohnen da zu Saviat (Seeblick) bis 1877
  • lebte um 1880 in Groß Nossin
  • wohnhaft 1882 bis 1884 in Kartkow bei Groß Nossin, Kreis Stolp
  • 1899 wird im Adressbuch der Stadt Stolp eine/als Weber, Bertha, geb. Pett, verehel. Inspector, Holzenthorstraße 23 benannt; gleichzeitig wird kein Johann Weber geführt
  • arbeitete als Mamsell auf den E(h)lertschen Gut in Groß Nossin / Kreis Stolp / Pommern
  • lebte zwischen 1897 und 1909 in Groß Nossin, z.B. 1902 im Aufgebot der Tochter Bertha Emilie dokumentiert
  • lebte offenabr noch nach 1918 auf dem Gut in Groß Nossin
  • gestorben 23.06.1943 in Berlin, (Kolonie) Borsig Aue, bei dem heutigen Nassenheider Weg 17 (bis 9.4.1961 noch Straße 174) in den sie ca. 1935 zu ihrem Sohn gezogen war.

Stammbuch Goldene Hochzeit Heinrich Pett und Laura geb. Kolletschke am 12.06.1935. Berta Weber, Schwester des Bräutigams, direkt hinter der Braut - ihrer Schwägerin - wahrscheinlich zusammen mit ihren Schwestern Bild von der Hochzeit von Hanni Weber und Fritz Borchardt im Sommer 1934 in Stettin
Die methodistische Hochzeit im Sommer 1934 in Stettin – es wurde nicht getanzt. Katharina Pett (später Weber) war gerade als Haustochter für ein halbes Jahr in Stettin. Sie hat da ihren zuk¨ftigen Mann bei dieser Hochzeit kennen gelernt. Links hinter Ihr steht Minnchen Klug (Anna Klug rechts neben Pfarrer), welche wohl auch Interesse an Heinz Weber hatte. Links neben der Braut Tante Liese, links daneben die Mutter von Eberhard Pett, dahinter sein Vater. Rechts außen hinter dem Jungen Oma Bertha, die mit ihren Sohn angereist war.

Bild von Berta, Helga, Katharina und Gretel Weber in Borsigwalde Bild von Berta Weber in Borsigwalde

Ur-Großmutter Weber

All abendlich kommt angekrochen
die dicke Berthke aus dem Hof.
Hat sie bei allen vorgesprochen,
kommt sie zu uns, die alte Zof'.
Den Damm entlang kommt sie gewatschelt,
mit gelben Schuh'n und Umschlagtuch,
gerad' wie eine Ente hatschelt
und dann geht das Gepottel los.
Von Mimmeladchen und Poketchen
spricht sie den ganzen Abend nur,
von Grudeherd und ihrem Gretchen,
doch endlich guckt sie auf die Uhr.
"Na, Mädchens, werd' ihr mich begleiten?
Vielleicht kommt ihr ein Stückchen mit?"
"Gute Nacht, Hanske", ruft sie noch von weitem,
und dann kehrt sie ins Schloß zurück.

Liebevoller Vers von Marga, Paula und Friedel aus Groß-Nossin / Pommern.

v.l.n.r.: Anna Grimm (Großmutter von Jochen Grimm), Tante Marga, Paula Grimm (Mutter von Jochen) und Berta Weber; ca. 1934/1935 aufgenommen in Groß Nossin von Rose-Marie Bild von Hanni und Berta Weber

[Jochen Grimm:] Der Bericht wurde von meiner Tante Friedel Thomas ca. 1965 angefertigt, sie verstarb in den 70er Jahren, war die Tochter von Tante Grethe geborene Wolter, also die Schwester meiner Großmutter Anna Grimm geb. Wolter über einen Besuch in Groß Nossin in ihrer Jugend.
[...] schönen langen Bart und seiner großen schlanken Gestalt, mit den guten blauen Augen, die voller Freude auf uns blickten. Er half der Mutter heraus und hob mich herunter, drückte mich an sich und küßte mich -- das war für mich trotz des Bartkribbelns, die Begrüßung, die zum Groß-Nossiner Ferienglück gehörte. Hinter dem Stationsgebäude scharrte ungeduldig der große Braune vor dem schmucken Kutschwagen. Onkel Hans verlud den Korb und die Tasche, während er sich mit seiner "Schwogersch" (Schwägerin) unterhielt. Es gab genug zu erzählen und ich stand dabei und streichelte die weiche Pferdeschnauze. Ja, der Onkel Hans und meine Mutter waren gute Freunde von jeher. Onkel Hans, der tüchtige, stille, fleißige Stellmachermeister hatte Mutters ältere Schwester Anna geheiratet. Beide sehr jung und sehr verliebt. Gretchen, meine Mutter, war die jüngste im Geschwisterkreis, sie war, nachdem ihre Dienstzeit im Pfarrhaus beendet war, auf dem Elertschen Gut beschäftigt. Das Pfarrhaus lag, nur von der Kirche getrennt, ihrem Elternhaus direkt gegenüber, und doch hatte Gretchen so arges Heimweh, daß es jeden Abend zum Tor lief, nur, um ihr Elternhaus noch vor dem Schlafengehen zu sehen. Gretchen war also damals auf dem Gut, kam aber oft des Abends heim und dann gab es viel Spaß mit den jungen Ehepaar. Der stille Onkel Hans hatte einen goldenen Humor und er hatte seine junge Schwägerin, die so gern lachte, sehr gern. Er hatte ihr das nette Verschen vorgesagt:"Gretke, kum eis vor de Dör! --kus e bitzke rut! ick will di wat nuis vertelle: Du bis mine Brut" - na, da wurde Gretchen böse und sie neckten sich alle drei, Anna, Gretchen und der große Hans. Sie waren einander gute Schwäger und blieben das bis zum Tode von Onkel Hans.
Jetzt aber stieg man auf den Wagen. Zuletzt schwang sich Onkel Hans auf den Sitz neben mich und schnalzte dem Braunen, dessen Fell in der Sonne warm und golden glänzte. Er trabte an und es ging die Chaussee unter den Lindenbäumen entlang - trappel - trappel. Wie klar war die Luft - wie warm die Sonne! Drüben lag das Dorf Schwarz-Damerkow - die Leute waren auf dem Felde - die Ernte begann -- es duftete nach warmer Erde und Heu und Korn - und der gute Pferdegeruch stieg mir in die Nase.
Ruhig und gleichmäßig zog das große Tier seine Last – schon war man in Kleschinz – und schon hindurch, wieder eingefangen in die Baum umrahmte Chaussee. Gleich mußte der Blick auf den Nossiner See kommen – da war er schon - hoch atmete ich auf --- der SEE – und der Wald um ihn herum – der Sandberg, den man hinunter raste und kullerte, wenn es zum Baden ging, ach, wie glänzte er in der Vormittagssonne!
Und da war jetzt der Park, dahinter, wohlgeborgen das Nossiner Schloß. Man hielt an dem Nebengebäude, wo schon Tante Weber, Bertke, Tante Bertke genannt aus dem Fenster ihres Stübchens schaute. Sie sah uns, winkte und trat heraus auf die Stufen. Es gab frohe Mienen und herzliche Worte. Grüße brachte die Mutter mit von Tante Webers Kindern aus Berlin.
Paul, der jüngste und einzig noch lebende Sohn Tante Webers war dort verheiratet.
Tante Weberchen hat nach dem frühen Tod ihres Mannes, der Brennermeister auf dem Gut gewesen war, mit ihren Kindern allein dagestanden. Sie packte resolut zu und wurde Mamsell auf dem Nossiner Gut. Hatte dort eine Vertrauensstellung und fühlte sich wohl. Bei Onkel Hans und Tante Anna war sie ein lieber Hausgast und für meine Mutter war sie nicht nur ihre erste CHEFIN, sondern auch immer eine gute alte Freundin. Ich war als Kind stets gern bei Tante Weber im gründunkelnden Zimmerchen – das kam von den vor dem Fenster dicht wachsenden Kletterpflanzen – Am Fenster stand ein Ohrenbackenstuhl, an dessen Kopfteil ein Stützkissen in Form einer Katze hing. Dort saß man, wenn man bei Tante Weberchen war und verzehrte die schmackhaften Dinge, die sie einem schenkte – besonders die hellgelben, duftenden Plätzchen.
Und hier war meine Mutter als fünfzehnjährige der Tante zur Hand gegangen und war gern dort gelitten und selbst sehr gern dort. Allerlei Schelmenstücke hatte sie als lustiges junges Ding da getrieben. Tante Weber war recht ängstlich und so mußte man ihr doch mal einen Schreck einjagen. Gretchen machte einen „Kerl“ aus Lumpen und setzte ihn der Tante ins Bett... „Gottebewahr“ – wie sie schrie, bis Gretchen unter dem Bett hervorkam lachend und glucksend. Die „Kerls“ und die „Pracher“ (Bettler) sie zogen damals dann und wann an die Türen – und manche sangen auch – Oll Seis’sch – als sie das erste Mal ein Grammophon hörte, hielt die Hand ans Ohr --- es war ein Männerchor, der da sang --- und sie fragte „Gottebewahr ... sind jenn Kerls da all inn?“
Jetzt aber war eitel Freude, bis Onkel Hans zur Weiterfahrt mahnte – mir dauerte es ohnehin schon zu lange, so gern ich auch sonst bei der Tante war.
Wenn ich mir so Tante Webers Sohn, meinen Onkel Paul (ich hatte deren vier) vorstellen sollte, wie er als kleiner Bub am Wundichower Wald Kühe hüten musste und unter dem Hüten in den wundervollen Wundichower Wald mit seinen riesigen alten Buchen kam, wie er dann dort stand und laut „Hosianna“ sang --- „ Hosianna inn a Beika“ (in den Buchen) der kleine Knirps, weil ihn diese ehrfurchtgebietenden Bäume in dem grünen Dämmerdunkel, in das da und dort eine Sonnenstrahl fiel, wie in der Kirche – eine unerklärliche Furcht ins Herz gaben – diese Buchen! Und der Wundichower See, das Schloß, direkt am Seeufer wo ich mit Paulaeinmal im Sommer eingeladen war und mit Käte Albrecht und Erika, um auf dem Rasenplatzvor dem Schloß der Frau von der Marwitz einen Reigen mitzutanzen „Wacht auf, Ihr Schläferinnen, der Kuckuck rufet laut -- Hoch von des Waldes Zinnen die Sonne hoch aufschaut“. Und dann, als der alte General v.d. Marwitz gestorben war und zum Familiengrab unter den Buchen hinaufgetragen wurde – wie da am Grabe die Waldhörner geblasen wurden, das war viel schöner und feierlicher als die ganze Trauerfeier vorher. Alle die Jäger, wie sie ihre Hörner ansetzten und die Töne, wie sie widerhalten unter den Hohen Bäumen über dem See.
Nun aber ging’s an der Schule vorbei. Sie stand an derselben Stelle wie [..]

mailto:weber68@gmx.de
Stand: 04.01.2017